Nachdem ich heute von der Bibliothek heimgeradelt kam, fiel mir ein junger Kerl im typischen HipHop-Outfit auf der an der anderen Haushälfte herumlungerte und eine Kippe rauchte. Da ich aber dachte, dass er vielleicht auf jemanden wartet hab ich mir keine weiteren Gedanken gemacht, mein Rad abgeschloßen und bin hoch in meine Wohnung. Keine 10 Minuten später klingelt es an meiner Tür. Es ist der Typ, den ich vor dem Haus gesehen hatte. Und kaum ist er bei mir vor der Tür angekommen, brabbelt er auch schon los: »Hallo, ich komme vom Schülerbotendienst. Wir machen eine Umfrage zur Akzeptanz von ehemaligen Drogenabhängigen. Darf ich dir ein paar Fragen stellen?«
Es hat mich schon gestört, dass mich dieser Typ einfach geduzt hat. Normal besteh ich da gar nicht drauf. Aber wenn man mir etwas andrehen will, geht mir sowas schon ziemlich gegen den Strich. Ich war zwar misstrauisch, meinte aber, dass gegen eine bloße Umfrage nichts sprechen täte. Also fuhr er schon mit der ersten Frage los. Wie ich denn ehemaligen Drogenabhängigen gegenüberstehen würde und da machte es in meinem Hirn plötzlich Klick und ich erinnerte mich an eine “Umfrage” auf der Straße, die mit genau der gleichen Frage begonnen hatte und damit endete, dass man versuchte, mir ein Zeitschriftenabo unterzujubeln.
Ich versuchte höflich zu bleiben und meinte zu dem Typ, »Tut mir leid, ich muss hier kurz Unterbrechen, aber haargenau die gleiche Frage wurde mir auf der Straße von jemanden gestellt und danach wollte man mir ein Abo verkaufen. Nur damit das klar ist, ich möchte kein Abo!«
Diese Aussage machte den Schülerbotenheini wohl wütend, denn er wurde nun im Laufe des Gespräches immer aggressiver.
»Und wer war das?!«, keifte er mich an. Ehrlich erwiderte ich, dass es sich dabei halt um einen jungen Mann – wie er eben – gehandelt habe. Daraufhin fragte er, ob er mir seinen Ausweis und seine Lizenz gezeigt habe, was ich bejahte.
Daraufhin plärrte er mich regelrecht an: »Hat er dir auch gesagt warum?«
Warum? Warum was? Warum er mir seine Lizenz zeigt? Warum er auf der Straße arme Studentinnen belästigt? Warum ich meine kostbare Zeit mit so einem Schwachsinn verschwenden muss?
Also fragte ich zurück: »Warum was?«
Ein genervtes und wütendes »Ja warum halt!!«
Keine Ahnung warum ich ihm daraufhin nicht die Tür vor der Nase zugemacht und mich auch noch gerechtfertigt habe… ich bin wohl einfach zu nett. Auf alle Fälle meinte ich, dass das halt dem seine Masche gewesen wäre: erst eine Umfrage und danach ein Vertrag für ein Zeitschriftenabo abschließen.
Daraufhin tickte der Bursche komplett aus und schrie mich regelrecht an. »Ich geh bevor ich laut loslache… so einen Bullshit muss ich mir nicht anhören!« Und schon war er den Weg die Treppe runter.
Da der junge Mann zu der streitlustigeren Sorte zu gehören schien und er gesehen hatte, dass mein Fahrrad noch vor der Tür steht, blieb ich am Fenster stehen, um notfalls einschreiten zu können. Es dauerte eine ganze Weile bis er aus dem Haus kam und tatsächlich wollte er wohl etwas entsprechendes machen, beschränkte sich aber auf unflätige Gesten, nachdem er gesehen hatte, dass ich noch am Fenster stand. Erleichtert sah ich ihn weggehen, aber fragte mich, was er so lange im Hausgang gemacht hatte. Als ich dann später zum einkaufen gehen wollte, sah ich warum. Er hatte groß und fett das Wort Hure auf meinen Briefkasten geschmiert.
Wenn ich den noch mal erwischen sollte… dann kann er seine Pseudo-Umfragezettel in seinem Nebenhöhlen suchen. Hab da diese Szene aus Kung Fu Hustle vor Augen:
Sing: »Ahh die dicke Nudel! Bist wohl die Chefin hier?«
Vermieterin: »Dicke Nudel – geht’s noch?« *verprügelt Sing mit ihrem Schlappen*
Sing: »Hey ich gehör zur Axtgang!«
Vermieterin: »Axtgang – geht’s noch?!« *haut wieder mit ihrem Schlappen zu*
![]()